Von Karl-Horst Möhl
Emotionen kamen hoch, wo immer in den letzten Monaten über
die Ausbildungsplatzabgabe diskutiert wurde, schließlich
gab es Gründe genug, die dafür und die dagegen sprachen.
Gestern votierten bei einer namentlichen Abstimmung im Bundestag
300 Abgeordnete für das Gesetz, 284 waren dagegen.
Bekanntlich müssen Betriebe mit mehr als zehn Beschäftigten,
deren Lehrlingsanteil an der Belegschaft unter sieben Prozent
liegt, in einen Fonds zahlen, aus dem Ausbildungsplätze finanziert
werden sollen. Für einige Kommunen, die ja auch ausbilden
müssen, kann das teuer werden. Die Stadt Heidelberg befindet
sich hier in einer komfortablen Situation. Mit 139 Azubis in 25
Ausbildungsberufen liege die Quote bei 8.5 Prozent, erklärte
Roland Haag als stellvertretender Leiter des Personalamts. Die
Berechnung richte sich nach der Zahl der Sozialabgabe pflichtigen
Beschäftigten und dies seien bei der Stadt Heidelberg 1632
ohne die Beamten.
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Haag zitierte eine Studie der FDP, nach der Freiburg mit einer
Ausbildungsquote von 3,3 Prozent 476000 Euro in den Fonds zahlen
müsse, Heilbronn (3,5 Prozent) 294 000 Euro, Karlsruhe (3,7Prozent)
445000 Euro und Pforzheim (5,8 Prozent) 120000 Euro. Nach dieser
Berechnungsgrundlage erhielt Heidelberg aus dem Fonds rund 185
000 Euro. Aus sozialer Verantwortung bilde die Stadt (auch in
handwerklichen Berufen) über ihren Bedarf hinaus aus, sagte
Haag, zwischen 30 und 50 Prozent der Azubis würden je nach
Bedarf und Qualifikation übernommen.
Bei den Heidelberger Druckmaschinen mit rund 12 000 Mitarbeitern
liege die Quote bei 5,7 Prozent, jährlich - auch in den letzten
drei Jahren - seien rund 220 Lehrstellen besetzt worden, sagte
ein Unternehmenssprecher. Die Abgabe, bringe aber nicht mehr Ausbildungsplätze,
was auch daran liege, dass das "Angebot qualifizierter Bewerber
abnimmt", hier also an der Basis mehr gemacht werden müsste.
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Unternehmen könnten nicht nur aus Gründen der "Wohlfahrt"
ausbilden und nicht zuletzt sei eine Verbesserung der wirtschaftlichen
Situation die Voraussetzung für Ausbildung.
Da die Kaufhof-Leiter der Region gestern ein Treffen hatten,
sprang hier die Zentrale in Köln mit einer Auskunft ein,
allerdings ohne Prozentangaben. Kaufhof habe nach einer Zusage
an Wirtschaftsminister Clement das Arbeitsplatzangebot um 100
Plätze erhöht und stelle in diesem Jahr rund 800 junge
Menschen als Azubis ein.
"Wir bilden aus", hieß es beim Schreibgerätehersteller
Lamy, bei ProMinent Dosiertechnik hielt man sich bedeckt, da der
Inhalt des Gesetzes noch nicht genau genug bekannt sei, generell
sei dieses Gesetz aber ein Eingriff in die Balance des Marktes.
Diese Meinung vertreten auch Kreishandwerksmeisterin Margot Preisz
und der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Leopold
Übelhör. Die Wirtschaft werde bei falschen politischen
Rahmenbedingungen zum Sündenbock gemacht für Defizite,
die mit Schule und Erziehung zusammenhängen.
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