Ganztagesbereich
AGs und Projekte
Prädiktive Gentests | Prädiktive Gentests – ein Diskursprojekt |
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| Geschrieben von Marc-Oliver Schweizer | ||||||
| Dienstag, 15. Juli 2008 | ||||||
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Nach einem thematischen Kennenlernen über die persönlichen Erwartungen und Interessensschwerpunkte der Teilnehmer am ersten Projekttag, folgte in der einführenden Informationsphase eine Powerpoint-Präsentation über die Humangenetischen Grundlagen. Dr. Verena Steinke vom Institut für Humangenetik der Universität Bonn referierte über verschiedene genetische Erkrankungen, die genetische Diagnostik und die Sequenzierung von sogenannten „Genchips“ mit deren Hilfe man das Vorhandensein bestimmter Gene nachweisen kann. Ein Einblick über die tatsächliche Aussagekraft prädiktiver Diagnostik rundete den Vortrag ab. Mit diesem genetischen Hintergrundwissen im Kopf waren die Schüler für die anschließende Dilemmadiskussion über prädiktive Gentests im Arbeitsbereich bestens gewappnet, um anhand eines konkreten Fallbeispiels selbst Stellung zu beziehen. Am Nachmittag des ersten Projekttages informierten sich die Teilnehmer in Kleingruppen eigenverantwortlich über die ethischen und rechtlichen Grundlagen, die von prädiktiven Gentests berührt werden. Dazu gehören u. a. das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, der Begriff der genetischen Diskriminierung und das rechtliche Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern als Vertragspartner. In diesem Kontext wurde die Frage aufgeworfen, ob unsere Lebenswelt mehr und mehr genetisiert werde und ob man den Menschen irgendwann nur noch auf seine Gene reduzieren könne. Nun sollte der Arbeitsbereich am 2. Projekttag in Form eines Votums abgeschlossen werden. In einer moderierten Diskussion wurde schnell deutlich, dass das Meinungsbild der Schüler sehr differenziert ist und ein breit gefächertes Spektrum von Empfehlungen von einem uneingeschränkten Verbot über vereinzelte Ausnahmefälle bis hin zu einer sofortigen Legalisierung aufweist. Nichtsdestotrotz konnte problemlos ein Meinungsbild der Gruppe erstellt werden. Der Rest des Tages stand ganz im Zeichen des Versicherungswesens, zu dessen Einführung Clemens Pölzelbauer vom Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Medizinrecht, Gesundheitsrecht und Bioethik der Universitäten Heidelberg und Mannheim einen Vortrag über das deutsche Krankenversicherungsrecht hielt. Besonderes Augenmerk legte er hierbei auf das System der privaten Krankenversicherungen und schilderte deren Prämienkalkulation. Anschließend inszenieren alle Projektteilnehmer in Form eines Rollenspiels eine Talkshow, bei der sie sich in vorgegeben Pro- und Contrarollen hineinversetzten und diese argumentativ vertreten. Das Publikum wurde durch Zuschauerfragen in die rege Diskussion miteinbezogen. Besonders interessant war für viele Teilnehmer die am letzten Projekttag stattfindende Videokonferenz mit geladenen Experten. Die Schüler haben im Voraus Interviewfragen erarbeitet, die sie per Live-Übertragung an Professoren verschiedener Fachrichtungen stellen konnten (z.T. Mitglieder der Ethikkommission). Deren Meinungen und Begründungen rund um das Thema prädiktive Gentests im Arbeits- und Versicherungsbereich wurden analysiert und ausgewertet. Mit den neu dazu gewonnenen Expertenmeinungen erstellten alle Teilnehmer – ähnlich wie beim Arbeitsbereich – ein gemeinsames Votum zum Versicherungsbereich. Am 9. Juli haben die teilnehmenden Schüler ihre ausformulierten Voten während einer Präsentationsveranstaltung in der Stadtbücherei Heidelberg der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie diskutierten u. a. mit Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Heidelberg und Vertretern vom Verband der privaten Krankenversicherungen über ihre schriftlichen Empfehlungen zum Umgang mit prädiktiven Gentests im Arbeits- und Versicherungsbereich. Rückblickend war das Projekt für alle Beteiligten nicht nur eine enorme Wissensbereichung auf dem Gebiet neuer Kommunikationsformen, der Gentechnik oder des Versicherungswesens, sondern vielmehr eine optimale Methode die eigene Meinung hinaus in die Öffentlichkeit zu tragen. Genau diesen Gebrauch von Partizipationsmöglichkeiten brauchen wir in unserer Gesellschaft, um die vernetzte Kooperation von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft nachträglich zu erhalten.
Marc-Oliver Schweizer |
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| Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 22. Juli 2008 ) | ||||||
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